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Transient Designer 4 Grundlagenphysik und ihre Folgen. | Höhere Physik hat auch Folgen | Auf in die Praxis | Anwendungen und Gegenanzeigen | Vorne und Hinten | Fazit | Designer Sound mit mehr Profil Keys
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Um die korrekte Einstellung eines Kompressors ranken sich Legenden, und in der Tat ist es nicht jedem gegeben, die richtige Abstimmung zu finden. Zum Glück hat SPL nun den Transient Designer entwickelt, der dem Tham "Dynamikbearbeitung" neuen Auftrieb verleiht. Der vierkanalige Transient Designer arbeitet nach dem einfachen Prinzip "anschliessen-benutzen-gut klingen". Mit nur zwei Reglern pro Kanal bietet er direkten Zugriff auf die Dynamik eines akustischen Signals und arbeitet dabei - anders als ein herkömmlicher Kompressor pegelunabhängig. Differential Envelope Technology heisst die verwendete Technik und bedeutet, dass nun Schluss ist mit der Bestimmung abstrakter Pegelschwellen und leidiger Zeitkonstanten. Grundlagenphysik und ihre Folgen. Laut Physiklehrbuch wird die Dynamik akustischer Signale durch die Variablen Amplitude und Zeit beschrieben, denn "Dynamik ist der Pegelverlauf innerhalb einer definierten Zeitspanne." Nun denn. Folgerichtig bieten handelsübliche Dynamikprozessoren Zugriff auf diese Variablen: Amplituden, die einen definierten Schwellwert (Threshold) unter- oder überschreiten, werden auf einen Regelverstärker geführt. Die Zeitkonstanten Attack und Release sollen einen möglichst unauffälligen Regelverlauf gewährleisten. So sinnig dieses Prinzip auch erscheint, bezogen auf die komplette Signaldynamik sind die richtigen Einstellungen schwer zu finden: Bei Kompressoren sorgen ungenaue Einstellungen für das unbeliebte Pumpen, Gates öffnen den Signalweg mit einem Flattern oder erzeugen Verzerrungen. Alternativen sind gefragt, und die bietet nun SPL mit der Differential Envelope Technology. Der Transient Designer folgt einem Prinzip, das aus dem Bereich der elektronischen Klangerzeugung bekannt ist: Bereits die Gründerväter der Klangsynthese definierten den Dynamikverlauf eines Signals als sogenannte ADSR-Hüllkurve. Sie beginnt mit der Einschwingphase (Attack), in der sich das Klangereignis bis zum Maximalpegel aufbaut. Hinter diesem Scheitelpunkt fällt die Dynamik ab (Decay) und bleibt auf dem Sustain-Pegel stehen; abschliessend klingt das Signal aus (Release). Ein Hüllkurvengenerator bietet nun die Möglichkeit, jeden Bereich dieser Hüllkurve zu manipulieren, die Signaldynamik lässt sich also beliebig einstellen. So ähnlich funktioniert die Sache auch beim Transient Designer: Das Eingangssignal wird auf zwei Hüllkurvengeneratoren geleitet. Der erste Generator erzeugt eine Spannung, die direkt der Wellenform des Eingangssignals folgt, dagegen wird die Hüllkurve im zweiten Generator verlangsamt aufgebaut. Die untenstehende Grafik zeigt diese Zusammenhänge. Während die Spannung des ersten Generators durch den Signalverlauf vorgegeben ist, kann der Spannungsverlauf des zweiten Generators vom Anwender beschleunigt oder verlangsamt werden. Die Differenz dieser beiden Spannungen wirkt als Steuersignal auf den VCA im Signalweg. Eine positive Differenz hebt den Signalpegel an, negative Werte sorgen dafür, dass der VCA zurückregelt. Bei dieser Schaltung spielt der eigentliche Pegel des Signals keine Rolle, die Dynamik wird rein zeitbezogen verändert. Zur Gestaltung der Dynamikverläufe bietet jeder Kanal zwei Parameter: Attack und Sustain, alle weiteren Hüllkurvenparameter (Decay und Release) werden intern automatisiert und der Charakteristik des Eingangssignals angepasst. Über den Attack-Regler lässt sich die Einschwingphase des Signals anheben oder ausblenden; das Potentiometer ist mittengerastet, der Regelbereich beträgt ± 15 dB. Bei positiven Werten werden die ersten Signalamplituden, auch Transienten genannt, für einen kurzen Moment verstärkt, das Signal gewinnt an Druck und Durchsetzungsvermögen. Negative Einstellungen senken den Pegel ab, das Signal wird dynamisch eingeblendet. Hören Sie einmal das Klangbeispiel auf der Keys-CD an und achten Sie auf die Bassdrum, wie sie plötzlich nach vorn puncht und dann wieder ganz zart klingt. Gleiches gilt für den Regler Sustain, allerdings mit dem Unterschied, dass hier die Ausschwingphase des Signals um bis zu 24 dB angehoben und abgesenkt werden kann. Ein positiver Sustain-Wert verlängert den Ausschwingvorgang, negative Einstellungen blenden den Klang aus. Übrigens: Die Settings für Attack und Sustain können separat eingestellt werden, die Schaltkreise beeinflussen sich gegenseitig nicht. Was sich in der Theorie trocken anhört, klingt in der Praxis mehr als satt. Sounds, die bisher eher als Fremdkörper aufgefallen sind, integrieren sich auf wundersame Weise in die Mischung, selbst unmotiviert eingespielten Aufnahmen verhilft der Transient Designer zu einer zweiten Chance. Instrumente können in der Mischung deutlich leiser gehalten werden, ohne im Orkus der Konkurrenz-Sounds unterzugehen. Kurz: Der Transient Designer wirkt da, wo Gates und Kompressoren nicht mehr hinkommen. Die Bearbeitung von Drum-Sounds gehört zu den Paralleldisziplinen des Transient Designers: Aus einer schlaffen Bassdrum ist mit ein paar Handgriffen eine gefährliche Waffe geworden, ewig scheppernde Snare-Teppiche werden galant ausgeblendet. Selbst die mit Stützmikrofonen mühsam konstruierte Raumakustik lässt sich im nachhinein noch umbiegen, im Mixdown werden die Drums wahlweise herangeholt oder in weiter Ferne plaziert. Aber es profitieren auch andere Instrumente vom Transient Designer: Samples oder Keyboard-Sounds, die in der Regel bis zur Bewusstlosigkeit hochkompromiert sind, gewinnen an Eigendynamik, bei dicken Heavy-MetalGitarren lässt sich der Anschlag wiederbeleben. Je nach Einstellung produziert der Transient Designer auch interessante Spezialeffekte: Bei minimalem Attack- und maximalem Sustain-Wert klingt das Signal fast wie rückwärts abgespielt. Wird ein Stereosignal über zwei Kanäle mit komplett konträren Einstellungen verarbeitet, entsteht ein dynamisch gesteuerter Panoramaeffekt. Die menschliche Stimme allerdings versteht der Transient Designer nur schwer. Hier hat der herkömmliche Kompressor, ähnlich wie beim Mastering, die Nase vorn. Neben einem Active-Schalter verfügt jeder Kanal über eine Signal-LED, die anliegende Pegel verlässlich meldet. Um Stereosignale zu verarbeiten, könnend die Kanäle 1 und 2 respektive 3 und 4 jeweils mit einem Link-Schalter verkoppelt werden. In diesem Fall liegt die Steuerspannung des linken Kanals an den VCAs beider Kanäle an. Von professionellen Ambitionen künden die Anschlüsse auf der Rückseite: Alle Ein- und Ausgänge sind als symmetrische XLR-Buchsen ausgeführt, die sich auf Wunsch auch unsymmetrisch beschalten lassen. Sollten nach dem Rackeinbau Brummschleifen auftreten, schafft der Ground Lift schnell und unbürokratisch Abhilfe. Der Transient Designer ist der erste Dynamikprozessor der Welt, der sich um die Dynamik des Signals eigentlich überhaupt nicht kümmert. Jeder Klang, ob laut oder leise, wird gleich behandelt, und zwar gleich gut. Die Technologie sorgt für Dynamikeffekte, die selbst mit mehreren hintereinander geschalteten Kompressoren und Gates nicht möglich sind. Das Gerät arbeitet effektiv und präzise und überzeugt durch seine akustischen Ergebnisse; nur feinsinnige Summenbearbeitung bleibt nach wie vor eine Domäne des Kompressors. Durch die einfache Bedienung empfiehlt sich der Transient Designer nicht nur für den Experten. Auch der Einsteiger profitiert von einer Arbeitsweise, die kaum Vorwissen voraussetzt und trotzdem sehr gute Ergebnisse liefert. Der neue von SPL ist sicherlich kein Gerät, das in jedes Heimstudio gehört. Aber er wird demjenigen neue Klangerlebnisse liefern, der akustische Aufnahmen von Drums, Gitarren und Bässen macht oder sich mit der gegebenen Qualität von Samplex nicht zufriedengibt. |
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