spl-Menue

 


click for more detail

Transient Designer 4
Model 9842


Test | Äußeres | Worum geht's? | Fazit

Vierkanaliger Dynamikprozessor

Keyboards 7/98
Jörg Küster

Test

Es ist schon erstaunlich: Trotz der gewaltigen Ausmasse der Frankfurter Musikmesse und der angeschlossenen Prolight+Sound trifft man in den Menschenmassen alljährlich den einen oder anderen Bekannten, den man bereits seit längerem aus den Augen verloren hat.

So traf ich denn auch in diesem Frühjahr zufällig einen lieben Tonkollegen. "Gerade war ich am Stand von SPL, die haben ein völlig abgefahrenes neues Teil da", begann er, "du kennst das doch: Wenn man eine Snare abnimmt und der Drummer haut drauf, zuckt man unwillkürlich mit den Augenlidern. Dieses SPL-Teil macht genau das ..."

Leider kam ich im allgemeinen Messetrubel nicht mehr dazu, mir einen persönlichen Eindruck des "Augenliderzucken"-Prozessors zu verschaffen. Dafür war ich um so gespannter, als Mitte Mai ein Testgerät den Weg in mein Studio fand.

Äußeres

Wie nicht anders zu erwarten war, reiht sich der Transient Designer optisch in eine Linie mit seinen transistorisierten Kollegen aus der SPL-Analogserie ein: die schwarz-blaue Maserung der Frontplatte, die rot leuchtenden Druckschalter und die fein gerasterten grossen Potis sorgten schon bei Geräten wie dem "DynaMaxx" oder dem "Stereo-Vitalizer" für die Corporate-Identity im OutboardRack.

Ein Blick auf die Geräterückseite belegt, dass der Transient Designer vornehmlich auf den Kreis der professionellen Anwender zielt: Alle Ein- und Ausgänge sind ausschliesslich in Form hochwertiger Switchcraft-XLR-Anschlüsse vorhanden. Ein Ground-Lift-Schalter trennt bei Brummproblemen die Verbindung zwischen Betriebsmasse und Gehäuse. Die Stromversorgung erfolgt wie üblich über eine Kaltgerätenetzbuchse; bei einer Unterbrechung wird ein Hard-Bypass aktiv, so dass der Audio-Signalfluss gewährleistet bleibt.

Worum geht's?

Mit dem Thema Dynamikbearbeitung verbindet man normalerweise die Regelung des Audiomaterials durch einen VCA (Voltage Controlled Amplifier), dessen Tätigkeit mit den Parametern Threshold, Ratio, Attack und Release beeinflusst werden kann. Hochwertige VCAs (THAT 2181) gibt es auch beim Transient Designer; allerdings sucht man die zuvor genannten Steuerparameter vergeblich. Das SPL-Team setzt bei seinem jüngsten Sprössling auf ein neues Schaltungskonzept, das seinen Niederschlag unter der Bezeichnung "Differential Envelope Technology" findet. Mit Hilfe dieser Schaltung können die Hüllkurven von Audiosignalen pegelunabhängig bearbeitet werden, d.h. es wird bei der Bearbeitung kein Unterschied zwischen leisen und lauten Signalen gemacht.

Die Eingriffsmöglichkeiten des Anwenders beschränken sich für jeden der insgesamt vier Kanäle auf die Regler ATTACK (+/- 15 dB) und SUSTAIN (+/- 24 dB). Das Attack-Regelnetzwerk verfügt über zwei Hüllkurvengeneratoren, von denen sich einer der originalen Wellenform anpasst, während der andere einen langsameren Einschwingvorgang erzeugt. Aus der Differenz zwischen den beiden resultierenden Hüllkurven wird die Steuerspannung für den VCA abgeleitet. Entsprechend wird mit der Ausklingphase des Signals verfahren, wobei die Schaltkreise für Attack und Sustain völlig unabhängig voneinander arbeiten. Mit den Potis (Attack/Sustain) wird die Amplitude des Ein- bzw. Ausschwingvorgangs beeinflusst: Positive Werte erhöhen den Pegel, während negative Werte zu einer Abschwächung der Amplitude führen.

Praxis

Was sich in der technischen Theorie vielleicht noch nicht sonderlich spektakulär anhört, entpuppt sich in der Praxis bei einer Vielzahl von Anwendungen als echter "Boaah-ey"-Effekt. Vorbelastet durch das Kollegen-Statement auf der Messe musste der Transient Designer seine Fähigkeiten zuerst an perkussivem Material demonstrieren. Hierbei zeigte sich das SPL-Gerät von seiner besten Seite, und selbst pappig-schlappe Billig-Trommeln und totkomprimierte Drumsamples liessen sich zu halbwegs passablen Sounds aufwerten. Mit "Attack" und "Sustain" kann man jedem Drumsound von zwei Seiten zu Leibe rücken: Eine bessere Durchsetzungsfähigkeit und mehr Druck im Mix bringen eine Erhöhung des Attack-Wertes, während man via "Sustain" die Ausklingphase in weitem Umfang manipulieren kann. Bei einer Snare lässt sich so z.B. das Rascheln des Teppichs verkürzen; bei anderen Trommeln deren Nachschwingen oder der auch bei Close-Miking-Techniken stets vorhandene Raumanteil. Normalerweise rückt man einem Drumset für solche Aktionen mit einer Batterie von Noise-Gates zu Leibe, wobei die korrekte Einstellung von Threshold und Zeitkonstanten eine aufwendige Angelegenheit ist. Der Transient Designer kann hier durchaus eine Alternative darstellen, zumal seine Art der Sustain-Regelung weitaus angenehmer wirkt als das "Klappe-zu"-Verhalten vieler Noise-Gates mit fester Release-Zeit.

Interessant ist, dass sich mit der Veränderung des Attack-Wertes auch die subjektiv wahrgenommene Distanz zwischen Mikrofon und Trommel verändert.

Je weiter man den Attack-Wert absenkt, desto mehr scheint sich das Mikro von der Trommel zu entfernen. Erhöht man nun noch den Sustain-Faktor, tritt der Raumanteil weiter in den Vordergrund, wozu Sie ein Beispiel auf der KEYBOARDS-CD hören können.

Eher in den Kreativbereich fallen Panorama-Effekte auf Dynamikbasis, die man bei monophonen Drumloops erzielen kann. Hierbei wird die Loop in zwei Kanäle des Transient Designers eingespeist, wobei man an einem Kanal einen hohen Attack- und einen niedrigen Sustain-Wert einstellt und beim anderen Kanal genau umgekehrt verfährt. Zur Bearbeitung von Stereomaterial lassen sich jeweils zwei Kanäle des Transient Designers mittels eines Link-Schalters verkoppeln, wobei dann die Bedienelemente des linken Kanals die Steuerung für beide Seiten übernehmen.

Bei akustischen Gitarren kann der Transient Designer den Attack je nach Wunsch weichzeichnen oder hervorheben. Besonders bei Western-Gitarren springt einem das Metall der Saiten bei höheren Attack-Werten förmlich entgegen - wem's gefällt.

Für E-Gitarren gilt ähnliches, wobei für meinen persönlichen Geschmack drahtige Funky-Gitarren und Pickings am meisten von einer Bearbeitung mit dem Transient-Designer profitieren können. Bei stark verzerrten und komprimiertem E-Gitarrensounds kann das SPL-Gerät helfen, den feinen Unterschied zwischen "Matsch" und "Brett" zu definieren. Bei direkt ins Pult gespielten Gitarren wird man den Attack-Regler eher absenken, damit der Anschlag im Gesamtmix nicht unangenehm hervorsticht.

Generell gibt es für die Verwendung des Transient Designers bei Einzelsignalen keine Einschränkungen. Zur Bearbeitung eines kompletten Mixes sollte man das Gerät allerdings tunlichst nicht heranziehen, und der Einsatz bei der Nachbearbeitung von Vocals ist zumindest "gewöhnungsbedürftig".

Fazit

Mit dem Transient Designer bringt SPL ein feines Dynamik-Werkzeug für Profis und ambitionierte Projektstudios auf den Markt, das in seinen Möglichkeiten

derzeit einzigartig ist. Die Bedienung ist einfach und intuitiv, und der Klang lässt selbst bei kräftiger Bearbeitung nichts an Transparenz vermissen. Mit einem Kanalpreis von etwa 470,- DM geht auch die unverbindliche Preisempfehlung in Ordnung, und so dürfte das neue SPL-Gerät bereits in Kürze zahlreiche Profiracks als aussergewöhnliches Klanggestaltungsmittel bereichern.

MP3 Demo Files

Less Attack
More Attack
Less Sustain
More Sustain

Topics

In Short
In Detail
Tech Talk
Applications
Tutorial by Michael Cooper


Reviews

ukflag
Audio Media (UK)
Sound On Sound (UK)
Studio Sound (UK)

usflag
Pro Audio Review
Electronic Musician (US)
GEARSLUTZ-Forum:
Gear of the month 2/2003
Mix Magazine (US)
Audio Media (US)
Recording (US)

franceflag
Keyboards (FR)

flagnl
Future Music (NL)

flagse
Monitor (SE)


gerflag
Amazona.de (GER)
Audio Professional (GER)
Fachblatt (GER)
Keyboards (GER)
Keys (GER)
ProductionPartner (GER)
Sound Check (GER)
Studio Magazin (GER)


PDF documents

Manual
Product Information
Tech Talk


Where to buy

USA dealers

Print Ready Product Pictures

Front view
Rear view

With "ZipIt" you can decompress *.zip files on Macintosh Computers


  


Home | Tube | Mastering | Analog | Contact | Distributors | Users | Feedback