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Qure
Modell 9738

TESTBERICHT AUS STEREO 3/2003
Von Holger Barske


Bügeln leicht gemacht
Para ... was? | Messtechnik

Das dritte Paar Boxen in diesem Jahr gekauft und immer noch zuviel Bass? Kabel für 10.000 Euro, trotzdem kein Raum? Hier sind sie: die Lösungen für 90 Prozent aller Raumakustikprobleme.

Das Wort muss man üben: parametrischer Equalizer. Hört sich kompliziert an, macht Eindruck bei Familienmitgliedern und Bekannten und katapultiert in fast jedem Falle Ihre HiFi-Anlage drei Klassen weiter nach vorne.

Equalizer – „Gleichmacher”; das war jahrzehntelang eine Art Unwort in der Hi-Fi-Landschaft. Und das aus gutem Grund. Zum einen waren die klassischen Vertreter dieser Technik sicherlich nicht dazu angetan, bei einem gestandenen HighEnder Jubelausbrüche zu provozieren - zu ungenau war ihr Tun dosierbar, zu problematisch die große Anzahl von Filter- und Verstärker-Stufen im Signalweg. Und das soll der „Parametrische” alles besser machen? Jawohl, zumindest in der Anwendung, die wir ihm hier andienen wollen - siehe Kasten auf der nächsten Seite zur Erklärung des Funktionsprinzips.

Und welches Problem genau wollen wir hier angehen? Eines, das sicherlich 95 Prozent aller Betreiber von HiFi-Anlagen haben: das Bass-Dilemma. Manchmal ist er zu dick, manchmal gar nicht da, mitunter beschränkt er sich auf den Grundton, hie und da resoniert es auch hörbar bei exakt einer Frequenz. Nicht, dass wir Ihnen nicht schon vor Jahr und Tag Hilfsmittel zur Lösung solcher Arten von Problemen an die Hand gegeben hätten: Das Thema „Bassfalle”, das wir in den STEREO-Ausgaben 12/99, 01/2000 und 05/2000 ausführlich behandelt haben, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Hier und heute jedoch wollen wir das Problem elektronisch lösen und haben und zu diesem Zweck zwei ausgesprochene Spezialgeräte ausgesucht: Eine eigentlich im Selbstbaubereich angesiedelte Extrem-Lösung der Firma „Thomas Hartwig Elektronik” und eine professionelle „Studiomaschine” von SPL.
Den „Thel”-Equalizer können Sie in der hier abgebildeten Form gar nicht kaufen – da müssen Sie selbst ran. Thomas Hartwig versteht sich als Modullieferant – seine Preziosen in eine endgültige Form zu gießen, bleibt Ihnen überlassen. Freilich muss das natürlich nicht ohne Hilfestellung des Herstellers gehen. Zentrale Baugruppe im eigens für uns angefertigten Mustergerät ist das monophone parametrische Filter „TC-2000”, das einzeln mit 139 Euro (129 Euro ab vier Stück) zu Buche schlägt. Hartwig verbaute in diesem Fall derer acht (also vier Filter pro Stereokanal), womit sich wohl so ziemlich jede Unebenheit im Bass zuverlässig ausbügeln lassen dürfte. Die Filter sind übrigens nicht auf den Betrieb im Bassbereich beschränkt: Sie lassen sich mit Steckbrücken auch für einen Einsatz im Mittel- oder im Hochtonbereich konfigurieren.
Die Equalizer alleine machen’s aber noch nicht: Eine wahrlich luxuriöse Stromversorgung mit kanalgetrennten Akku-Speiseteilen und intelligenter Ladeelektronik gestalten das Ganze „audiophil unangreifbar”, zumal sich Hartwig auch in Sachen Schaltungstechnik an hohen Maßstäben orientiert: In seinen Filtern arbeiten ausschließlich diskret aufgebaute Class-A-Verstärkerschaltungen, die zur thermischen Kopplung in einer Vergussmasse stecken. Unerreichte Freiheitsgrade erlaubt das Anschlussfeld: Jeder Filterein- und -ausgang hat seine separate Cinchbuchse, so dass Sie nur die für den jeweiligen Anwendungsfall erforderliche Anzahl von Filtern einschleifen müssen. Freilich hat die ganze Sache ihren Preis: In der vorliegenden Ausbaustufe ergibt sich eine reine Materialrechnung von rund 2100 Euro, und dann müssen Sie in Sachen Zusammenbau auch noch selbst tätig werden.

Aber vielleicht darf’s ja auch eine Nummer kleiner sein? Ein Akkunetzteil brauchen Sie nicht zwingend, und außerdem hat Ihr Bassfrequenzgang nur zwei gravierende Problemstellen? Bitte sehr, dann geht die Sache auch für vielleicht 800 Euro ab.

So richtig billig ist unser zweites „Bügeleisen” ebenfalls nicht: 1900 Euro kostet der „Qure” von SPL; ein Gerät, das in Studiokreisen absoluten Kultstatus genießt und als eine Zierde für jedes Mastering-Rack gilt.

Der große Vorteil des Profi-Gerätes gegenüber der Hartwig-Lösung lautet: auspacken, anschließen, spielt. Hier ist handwerkliche Initiative nicht gefragt, außer vielleicht beim Beschaffen entsprechender Anschlussleitungen: Die Rückseite des Qure zieren, wie in der Profitechnik üblich, ausschließlich XLR- und Klinkenbuchsen. Wenn Sie einen symmetrischen Signalweg haben sind Sie fein raus, „cinchbestückte” Zeitgenossen müssen adaptieren. Da „Klinken” in Sachen HiFi nicht unbedingt als das Maß der Dinge gelten, empfehlen sich an dieser Stelle Adapterstecker für die XLR-Anschlüsse - so etwas ist durchaus handelsüblich.

Der Qure ist kein reinrassiger Bassprofi, sondern ein universelles Gerät mit drei Filtern pro Kanal. Das „unterste” mit einer wählbaren Mittenfrequenz von 15 bis 365 Hertz ist das für uns entscheidende, jedoch auch mit dem „mittleren” bis unter 200 Hertz wirksamen Filter lassen sich noch tieftonale Probleme bekämpfen. Ein zusätzliches Feature des SPL: ein konsequentes Hochpassfilter mit einer ab 40 Hertz einstellbaren Grenzfrequenz – wo keine tiefen Töne sind (oder von kleinen Lautsprechern eh nicht wiedergegeben werden können), da gibt’s auch keine Probleme. Ein solches Filter gibt’s auch für die Höhen, beide gemeinsam sind per „Bypass”-Schalter komplett aus dem Signalweg entfernbar, wie jedes der drei parametrischen Filter übrigens auch.

Da das Gerät bei uns in erster Linie tieffrequente Probleme lösen soll, ist die Röhrenausgangsstufe, deren glimmende Protagonisten sich durch Gitter in der Front zeigen, nicht von so immenser Bedeutung. Die Studioleute nehmen da sehr viel weniger Blätter vor den Mund als HiFi-Hersteller: Die Glaskolben sind dazu da „Sound” zu produzieren, das viel beschworene Röhrenflair. Noch eine SPL-Spezialität schlägt genau in diese Kerbe; die namensgebende „Qure”-Schaltung. Das ist ein – ebenfalls abschaltbarer – hochwertiger mit Spulen und Kondensatoren aufgebauter „Präsenzlagen- und Mitteltonverbesserer”, dessen Wirkungsweise gleichfalls einstellbar ist. Ein weites Feld für experimentierfreudige Naturen. Das sind die kleinen Gimmicks der Studioprofis, die mit dem Thema Klangbeeinflussung deutlich „unverkniffener” umgehen als wir, die der so genannten „Wahrheit” verpflichteten HiFi-Fans.

Egal, ob Thel oder SPL: Wie bekomme ich die Geräte überhaupt in meine Anlage integriert? Fein raus ist der Besitzer einer Vor-/End-stufenkombination. Er kann die beiden Problemloser nämlich schlicht zwischen Pre- und Leistungsverstärker einschleifen und ist aller Sorgen ledig. Nicht anders ergeht es Besitzern von auftrennbaren Vollverstärkern, die Vorgehensweise ist die gleiche. Und bei „normalen” Vollverstärkern? Da kommt der Equalizer an die Tape-Schleife. Eine dieser Konfigurationen sollte sich bei so ziemlich jeder Art von verstärkendem Equipment finden lassen.
Nachdem man seinem Spieltrieb eine Zeit freien Raum gelassen hat – da wird es Ihnen nicht anders ergehen als uns mit den beiden Probanden, und es gibt ja auch so herrlich viele Knöpfe zum Ausprobieren – werden Sie feststellen, dass sinnvolle Einstellungen ohne den Einsatz minimaler messtechnischer Grundlagen kaum machbar sind. Beeindruckende Veränderungen ja, aber „richtige”? Das wären Glückstreffer.

Viel interessanter ist da schon die Frage, wie „weh” die Equalizer unseren liebevoll gehüteten Signalen schon in der Mittelstellung tun. Eine solche ist beim SPL dank der kalibrierten Einstellregler einfacher zu finden als beim Thel, bei dem Sie selbst bestimmt haben, inwieweit Ihre Skalierung an den Knöpfen mit der Realität übereinstimmt. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass beide Geräte dem Signal natürlich nicht gut tun. Der Thel mit seinen vier parametrischen Filtern und der SPL mit seinen Mengen von Features können der Dynamik nur schaden, allerdings zugegebenerweise in minimalem Maße. In feindynamischer Hinsicht eine tolle Sache ist die Akkuversorgung des Hartwig-Gerätes, das sich hier recht deutlich in Szene zu setzen weiß.

Die Röhrenendstufe des Qure macht nicht nachdrücklich, aber vernehmlich auf sich aufmerksam – in den meisten Fällen dürfte die Portion Extrafrische eher ein Segen denn ein Fluch sein. Und man kann ja auch da korrigierend eingreifen.
Abseits der „Trockenprobe” stellt sich allerdings vielmehr die Frage, ob die insgesamt zu beobachtenden kleinen klanglichen Verschlechterungen durch das segensreiche Wirken einer korrekt parametrierten Filterung wieder gut gemacht werden können. Und die Antwort auf diese Frage ist in fast allen erdenklichen Fällen ein vehementes „Ja”. Wenn Sie über keinen akustisch annähernd perfekten Hörraum verfügen, dann dürfen Sie sich auf klangliche Höhenflüge freuen, wie Sie sie in Ihren vier Wänden wohl noch nicht erlebt haben. Ein gerader Bassfrequenzgang ist nicht nur für die tiefen Lagen selbst eine feine Sache, auch die übrigen Frequenzbereiche profitieren nachhaltig von der Korrektur „im Keller”. In den allermeisten Fällen dürfte eine ziemlich deutlich verbesserte Loslösung des Klangbildes von den Lautsprechern zu erzielen sein, das oftmals mehr herbeigesehnte denn tatsächlich erlebte akustische Verschwinden der Boxen ist so mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit machbar. Allein das „Ausbügeln” der fast immer vorhandenen, durch Reflexionen zwischen Fußboden und Zimmerdecke verursachten Überhöhung zwischen 60 und 70 Hertz kann in vielen Fällen das Gesamterlebnis von „naja” nach „unglaublich” ändern. Gehen wir jetzt nochmal davon aus, dass so ziemlich jeder Besitzer ordentlicher Standboxen ein durch parallele Zimmerwände bedingtes Problem im Bereich um 40 Hertz hat: Auch das ist ohne Weiteres korrigierbar und bringt einen dem klanglichen Ideal merklich näher.

Eine Lehrbuchweisheit stellt sich beim „Geradebiegen” von Bassfrequenzgängen übrigens schnell als wahr heraus: Schmalbandige Einbrüche, obgleich messtechnisch nachweisbar, treten klanglich kaum in Erscheinung. Hier schaden Korrekturversuche oft mehr, als sie Nutzen bringen. Für Überhöhungen hingegen ist das Ohr deutlich empfindlicher: Hier ist ein „Überdämpfen” im Zweifelsfalle sogar besser als Zurückhaltung.

Qualifiziert sich der parametrische Equalizer somit als Ei des Kolumbus, als Waffe gegen alle Raumeventualitäten? Ja und nein. Eines kann er nicht: Nachhallzeiten beeinflussen. So lässt sich auch mit einem solchen Gerät aus einem Palast aus Glas und Marmor kein ordentlich bedämpfter Musterhörraum machen. Das geht nicht ohne den Einsatz baulicher Maßnahmen. Unter üblichen Wohnraumverhältnissen sind solche Extremsituationen jedoch die Ausnahme. Hier ist die Korrektur des Amplituden-Verlaufs am Hörplatz schon segensreich wie nichts anderes.
Die beiden hier vorgestellten parametrischen Equalizer sind natürlich nicht die beiden einzigen Geräte am Markt, gerade im Studiobereich sollten sich noch ein Menge Alternativen finden lassen - sowohl günstigere als auch teurere.
Der Volksmund weiß: Männer bügeln nicht gerne. Nehmen Sie mal eines dieser „Bügeleisen” zur Hand und strafen die Tradition Lügen!

Para... was?
Was ist ein parametrisches Filter, und wieso tut’s kein „normaler” Equalizer?

Je mehr Schieberegier, desto besser: So einfach war das Credo zum Thema Equalizer in den siebziger und zu Beginn der achtziger Jahren. Kein japanischer Großkonzern, der nicht mindestens eines dieser Wundergeräte Em Programm gehabt hätte. Meist wurde daheim an de vielen Knöpfen eine optisch gut aussehende „Sinuskurve” eingestellt und nicht weiter darüber nachgedacht, was man dem Klang damit eigentlich antut.

Das Hauptproblem des klassischen grafischen Equalizers besteht darin, dass einer möglichst großen Anzahl von Frequenzen ein Potentiometer zugeordnet ist, mit dem sich der Pegel an der jeweiligen Stelle verändern lässt. Je mehr ESnzelfrequenzen, desto mehr Filterstufen mussten her. Rauschen und Dynamikverlust waren die unausweichliche Folge.

Beim parametrischen Equalizer ist alies anders. Hier gibt’s deutlich weniger Filter - nur so viele, wie auch tatsächlich „Problemfrequenzen” da sind. Die anderen werden schlicht kurzgeschlossen. Jedes einzelne Filter hat (meistens) drei Bedienelemente – übrigens Drehknöpfe, keine Schieberegier mehr; Mit dem ersten wird die so genannte Mittenfrequenz eingestellt, das ist die Frequenz, bei der das Filter seine maximale Wirkung zeigt.

Der zweite unabdingbare Knopf ist der für den Pegel. Seine Einstellung bestimmt, um welchen Betrag das Signal bei der jeweiligen Frequenz angehoben oder abgesenkt wird.
Drittens der „Güten”- oder Bandbreitenein-steller. Er bestimmt, wie weit sich der Einstellbereich des Filters ober- und unterhalb der Mit-tenfrequenz erstreckt.

Sie merken schon: Mit einer solchen Anordnung lassen sich wesenlich gezieltere Eingriffe in den Ampäitudenveriauf einer HiFi-Anlage vornehmen als mit der althergebrachten Technik. Da Bassprobleme in vieten Fällen sehr schmalbandige Überhöhungen darstellen, ist der parametrische Equalizer ein extrem geeignetes Werkzeug zu deren Korrektur.

Messtechnik
Ohne geht’s auch – aber leichter ist das Bass-Setup mit genauer Problemkenntnis.

Um einen parametrischen Equalizer sinnvoll einsetzen zu können, muss man erst einmal die „Problemfrequenzen” des Raumes kennen. Und diese sind auch mit finanzierbaren Mitteln gar nicht so schwer herauszufinden. Eine mit eng gestuften Sinussignalen bespielte CD ist schon mal eine feine Sache: Meist zeigt sich bereits per Gehör, in weichen Frequenzbereichen am Hörplatz merklich zuviel – oder auch zuwenig – Energie vorhanden ist.

Ein feinfühliges Werkzeug wie ein parametrischer Equalizer ist aber mit solider messtechnischer Vorarbeit noch sehr viel schneller und zielstrebiger auf den Punkt justierbar – im Falle des individuell zusammenzustellenden Thel-Equalizers kann man mit ein paar Messungen im Vorfeld vor allem erst einmal feststellen, wieviele Filterstufen man überhaupt braucht.
Als Messgerät empfiehlt sich ein handelsüblicher Schallpegelmesser – der „Audio Controller AC” von HiFish hat sich in Deutschland zu einer Art Standard entwickelt und erledigt diesen Job mit Bravour.

Auch jetzt benötigen Sie die vorgenannte Sinussignal-CD. Das Messgerät verrät ihnen nun, bei welchen Frequenzen die maximalen Abweichnungen von mittleren Pegel zu verzeichnen sind. Das können im Einzelfall durchaus schon mal 20 und mehr Dezibel sein.

In aller Regel werden sich zwei bis drei Frequenzen als besonders kritisch herauskristallisieren, und genau das sind die, die mit einer der hier vorgestellten „Wunderwaffen” bekämpft werden sollten. Versuchen Sie nicht, die Probleme bis aufs letzte Dezibel exakt in den Griff zu bekommen – das dürfte kaum gelingen. In jedem Fall empfiehlt es sich, alle an den Filtereinstellungen vorgenommenen Änderungen im Nachhinein mit dem Pegelmesser zu kontrollieren.

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