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Qure
Das dritte Paar Boxen in diesem Jahr gekauft und immer noch zuviel Bass? Kabel für 10.000 Euro, trotzdem kein Raum? Hier sind sie: die Lösungen für 90 Prozent aller Raumakustikprobleme. Das Wort muss man üben: parametrischer Equalizer. Hört sich kompliziert an, macht Eindruck bei Familienmitgliedern und Bekannten und katapultiert in fast jedem Falle Ihre HiFi-Anlage drei Klassen weiter nach vorne. Equalizer Gleichmacher; das war jahrzehntelang eine Art Unwort in der Hi-Fi-Landschaft. Und das aus gutem Grund. Zum einen waren die klassischen Vertreter dieser Technik sicherlich nicht dazu angetan, bei einem gestandenen HighEnder Jubelausbrüche zu provozieren - zu ungenau war ihr Tun dosierbar, zu problematisch die große Anzahl von Filter- und Verstärker-Stufen im Signalweg. Und das soll der Parametrische alles besser machen? Jawohl, zumindest in der Anwendung, die wir ihm hier andienen wollen - siehe Kasten auf der nächsten Seite zur Erklärung des Funktionsprinzips. Und welches Problem genau wollen wir hier angehen? Eines, das sicherlich 95 Prozent aller Betreiber von HiFi-Anlagen haben: das Bass-Dilemma. Manchmal ist er zu dick, manchmal gar nicht da, mitunter beschränkt er sich auf den Grundton, hie und da resoniert es auch hörbar bei exakt einer Frequenz. Nicht, dass wir Ihnen nicht schon vor Jahr und Tag Hilfsmittel zur Lösung solcher Arten von Problemen an die Hand gegeben hätten: Das Thema Bassfalle, das wir in den STEREO-Ausgaben 12/99, 01/2000 und 05/2000 ausführlich behandelt haben, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Hier
und heute jedoch wollen wir das Problem elektronisch lösen und haben
und zu diesem Zweck zwei ausgesprochene Spezialgeräte ausgesucht:
Eine eigentlich im Selbstbaubereich angesiedelte Extrem-Lösung der
Firma Thomas Hartwig Elektronik und eine professionelle Studiomaschine
von SPL. Aber vielleicht darfs ja auch eine Nummer kleiner sein? Ein Akkunetzteil brauchen Sie nicht zwingend, und außerdem hat Ihr Bassfrequenzgang nur zwei gravierende Problemstellen? Bitte sehr, dann geht die Sache auch für vielleicht 800 Euro ab. So richtig billig ist unser zweites Bügeleisen ebenfalls nicht: 1900 Euro kostet der Qure von SPL; ein Gerät, das in Studiokreisen absoluten Kultstatus genießt und als eine Zierde für jedes Mastering-Rack gilt. Der große Vorteil des Profi-Gerätes gegenüber der Hartwig-Lösung lautet: auspacken, anschließen, spielt. Hier ist handwerkliche Initiative nicht gefragt, außer vielleicht beim Beschaffen entsprechender Anschlussleitungen: Die Rückseite des Qure zieren, wie in der Profitechnik üblich, ausschließlich XLR- und Klinkenbuchsen. Wenn Sie einen symmetrischen Signalweg haben sind Sie fein raus, cinchbestückte Zeitgenossen müssen adaptieren. Da Klinken in Sachen HiFi nicht unbedingt als das Maß der Dinge gelten, empfehlen sich an dieser Stelle Adapterstecker für die XLR-Anschlüsse - so etwas ist durchaus handelsüblich. Der Qure ist kein reinrassiger Bassprofi, sondern ein universelles Gerät mit drei Filtern pro Kanal. Das unterste mit einer wählbaren Mittenfrequenz von 15 bis 365 Hertz ist das für uns entscheidende, jedoch auch mit dem mittleren bis unter 200 Hertz wirksamen Filter lassen sich noch tieftonale Probleme bekämpfen. Ein zusätzliches Feature des SPL: ein konsequentes Hochpassfilter mit einer ab 40 Hertz einstellbaren Grenzfrequenz wo keine tiefen Töne sind (oder von kleinen Lautsprechern eh nicht wiedergegeben werden können), da gibts auch keine Probleme. Ein solches Filter gibts auch für die Höhen, beide gemeinsam sind per Bypass-Schalter komplett aus dem Signalweg entfernbar, wie jedes der drei parametrischen Filter übrigens auch. Da das Gerät bei uns in erster Linie tieffrequente Probleme lösen soll, ist die Röhrenausgangsstufe, deren glimmende Protagonisten sich durch Gitter in der Front zeigen, nicht von so immenser Bedeutung. Die Studioleute nehmen da sehr viel weniger Blätter vor den Mund als HiFi-Hersteller: Die Glaskolben sind dazu da Sound zu produzieren, das viel beschworene Röhrenflair. Noch eine SPL-Spezialität schlägt genau in diese Kerbe; die namensgebende Qure-Schaltung. Das ist ein ebenfalls abschaltbarer hochwertiger mit Spulen und Kondensatoren aufgebauter Präsenzlagen- und Mitteltonverbesserer, dessen Wirkungsweise gleichfalls einstellbar ist. Ein weites Feld für experimentierfreudige Naturen. Das sind die kleinen Gimmicks der Studioprofis, die mit dem Thema Klangbeeinflussung deutlich unverkniffener umgehen als wir, die der so genannten Wahrheit verpflichteten HiFi-Fans. Egal,
ob Thel oder SPL: Wie bekomme ich die Geräte überhaupt in meine
Anlage integriert? Fein raus ist der Besitzer einer Vor-/End-stufenkombination.
Er kann die beiden Problemloser nämlich schlicht zwischen Pre- und
Leistungsverstärker einschleifen und ist aller Sorgen ledig. Nicht
anders ergeht es Besitzern von auftrennbaren Vollverstärkern, die
Vorgehensweise ist die gleiche. Und bei normalen Vollverstärkern?
Da kommt der Equalizer an die Tape-Schleife. Eine dieser Konfigurationen
sollte sich bei so ziemlich jeder Art von verstärkendem Equipment
finden lassen. Viel interessanter ist da schon die Frage, wie weh die Equalizer unseren liebevoll gehüteten Signalen schon in der Mittelstellung tun. Eine solche ist beim SPL dank der kalibrierten Einstellregler einfacher zu finden als beim Thel, bei dem Sie selbst bestimmt haben, inwieweit Ihre Skalierung an den Knöpfen mit der Realität übereinstimmt. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass beide Geräte dem Signal natürlich nicht gut tun. Der Thel mit seinen vier parametrischen Filtern und der SPL mit seinen Mengen von Features können der Dynamik nur schaden, allerdings zugegebenerweise in minimalem Maße. In feindynamischer Hinsicht eine tolle Sache ist die Akkuversorgung des Hartwig-Gerätes, das sich hier recht deutlich in Szene zu setzen weiß. Die
Röhrenendstufe des Qure macht nicht nachdrücklich, aber vernehmlich
auf sich aufmerksam in den meisten Fällen dürfte die
Portion Extrafrische eher ein Segen denn ein Fluch sein. Und man kann
ja auch da korrigierend eingreifen. Eine Lehrbuchweisheit stellt sich beim Geradebiegen von Bassfrequenzgängen übrigens schnell als wahr heraus: Schmalbandige Einbrüche, obgleich messtechnisch nachweisbar, treten klanglich kaum in Erscheinung. Hier schaden Korrekturversuche oft mehr, als sie Nutzen bringen. Für Überhöhungen hingegen ist das Ohr deutlich empfindlicher: Hier ist ein Überdämpfen im Zweifelsfalle sogar besser als Zurückhaltung. Qualifiziert
sich der parametrische Equalizer somit als Ei des Kolumbus, als Waffe
gegen alle Raumeventualitäten? Ja und nein. Eines kann er nicht:
Nachhallzeiten beeinflussen. So lässt sich auch mit einem solchen
Gerät aus einem Palast aus Glas und Marmor kein ordentlich bedämpfter
Musterhörraum machen. Das geht nicht ohne den Einsatz baulicher Maßnahmen.
Unter üblichen Wohnraumverhältnissen sind solche Extremsituationen
jedoch die Ausnahme. Hier ist die Korrektur des Amplituden-Verlaufs am
Hörplatz schon segensreich wie nichts anderes. Para...
was? Je mehr Schieberegier, desto besser: So einfach war das Credo zum Thema Equalizer in den siebziger und zu Beginn der achtziger Jahren. Kein japanischer Großkonzern, der nicht mindestens eines dieser Wundergeräte Em Programm gehabt hätte. Meist wurde daheim an de vielen Knöpfen eine optisch gut aussehende Sinuskurve eingestellt und nicht weiter darüber nachgedacht, was man dem Klang damit eigentlich antut. Das Hauptproblem des klassischen grafischen Equalizers besteht darin, dass einer möglichst großen Anzahl von Frequenzen ein Potentiometer zugeordnet ist, mit dem sich der Pegel an der jeweiligen Stelle verändern lässt. Je mehr ESnzelfrequenzen, desto mehr Filterstufen mussten her. Rauschen und Dynamikverlust waren die unausweichliche Folge. Beim parametrischen Equalizer ist alies anders. Hier gibts deutlich weniger Filter - nur so viele, wie auch tatsächlich Problemfrequenzen da sind. Die anderen werden schlicht kurzgeschlossen. Jedes einzelne Filter hat (meistens) drei Bedienelemente übrigens Drehknöpfe, keine Schieberegier mehr; Mit dem ersten wird die so genannte Mittenfrequenz eingestellt, das ist die Frequenz, bei der das Filter seine maximale Wirkung zeigt. Der
zweite unabdingbare Knopf ist der für den Pegel. Seine Einstellung
bestimmt, um welchen Betrag das Signal bei der jeweiligen Frequenz angehoben
oder abgesenkt wird. Sie merken schon: Mit einer solchen Anordnung lassen sich wesenlich gezieltere Eingriffe in den Ampäitudenveriauf einer HiFi-Anlage vornehmen als mit der althergebrachten Technik. Da Bassprobleme in vieten Fällen sehr schmalbandige Überhöhungen darstellen, ist der parametrische Equalizer ein extrem geeignetes Werkzeug zu deren Korrektur. Messtechnik Um einen parametrischen Equalizer sinnvoll einsetzen zu können, muss man erst einmal die Problemfrequenzen des Raumes kennen. Und diese sind auch mit finanzierbaren Mitteln gar nicht so schwer herauszufinden. Eine mit eng gestuften Sinussignalen bespielte CD ist schon mal eine feine Sache: Meist zeigt sich bereits per Gehör, in weichen Frequenzbereichen am Hörplatz merklich zuviel oder auch zuwenig Energie vorhanden ist. Ein
feinfühliges Werkzeug wie ein parametrischer Equalizer ist aber mit
solider messtechnischer Vorarbeit noch sehr viel schneller und zielstrebiger
auf den Punkt justierbar im Falle des individuell zusammenzustellenden
Thel-Equalizers kann man mit ein paar Messungen im Vorfeld vor allem erst
einmal feststellen, wieviele Filterstufen man überhaupt braucht. Auch jetzt benötigen Sie die vorgenannte Sinussignal-CD. Das Messgerät verrät ihnen nun, bei welchen Frequenzen die maximalen Abweichnungen von mittleren Pegel zu verzeichnen sind. Das können im Einzelfall durchaus schon mal 20 und mehr Dezibel sein. In aller Regel werden sich zwei bis drei Frequenzen als besonders kritisch herauskristallisieren, und genau das sind die, die mit einer der hier vorgestellten Wunderwaffen bekämpft werden sollten. Versuchen Sie nicht, die Probleme bis aufs letzte Dezibel exakt in den Griff zu bekommen das dürfte kaum gelingen. In jedem Fall empfiehlt es sich, alle an den Filtereinstellungen vorgenommenen Änderungen im Nachhinein mit dem Pegelmesser zu kontrollieren. |
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