|
|
|||||||||||||
|
Qure Interview mit Ronald Prent zum SPL-Qure | Praxis | Fazit | Production Partner
3/98, D
Gleich zwei Neuzugänge kann die Röhrenserie des Niederkrüchtener Herstellers SPL verzeichnen: Neben einem "kleinen Bruder" des Tube Vitalizers, der die eher nüchtern sachliche Bezeichnung MK2-T trägt, bereichert ein zweikanaliger parametrischer EQ mit ansprechender Vintage-Optik die goldfarbene 19"-Reihe. "Qure" lautet sein Name - ein Kunstwort, das sich aus den Begriffen EQ (oder Q-Faktor?) und Cure (Heilung) zusammensetzt.
Pro Kanal bietet der Qure drei unabhängige quasiparametrische Filterbänder, deren Ausgangssignal eine Röhrenschaltung durchläuft. Die Breite (Q-Faktor) der einzelnen Bänder ist in elf Stufen schaltbar und erlaubt dabei Werte zwischen 0,5 (entspricht ca. 2,5 Oktaven) und einer schmalen Einstellung von 5 (entspricht ca. 0,2 Oktaven).
Anhebungen und Absenkungen von bis zu 15 dB pro Band sind möglich, wobei der Mittenbereich als Ausnahme von der Regel einen Cut von maximal 36 dB erlaubt. SPL bezeichnet dieses asymmetrische Regelverhalten als "non-reciprocal Response". Die Verstärkungspotis sind in 31 Stufen fein gerastert, wodurch Anhebungen bzw. Absenkungen in 0,5-dB-Schritten ermöglicht werden.
Die Frequenzbereiche der Bänder wurden überlappend gewählt:
Ergänzt wird die EQ-Sektion durch schaltbare Hochpass- (40 Hz - 200 Hz) und Tiefpassfilter (2,5 kHz - 20 kHz), die als Butterworth-Filter zweiter Ordnung mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Oktave ins Klanggeschehen eingreifen können.
Zur Regelung von Ein- und Ausgangspegel des Gerätes stehen eigene Potis bereit; auf eine Clip-LED wurde bewusst verzichtet. A/B-Vergleiche lassen sich neben den On-Schaltern der einzelnen Filterbänder auch geräteübergreifend mittels des beleuchteten Master-Bypass-Schalters realisieren.
Ungewöhnlich und nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist die Funktion des "Qure"-Potis, dem ein eigener Bypass-Schalter und der sogenannte "Shift-Qure"-Schalter zugeordnet sind. Bei Qure handelt es sich um ein von SPL entwickeltes Spulen/Kondensator/Widerstands-Filternetzwerk, das in die Röhrenausgangsstufe des Gerätes geschaltet werden kann. Das LCR-Netzwerk ist in den Gegenkopplungspfad der Röhre (Sovtek 12AX7) integriert und reagiert unmittelbar auf das dynamische Verhalten des Signals. In Abhängigkeit von diesem werden Phase und Klirrfaktor beeinflusst, wovon sich SPL eine frische, brillante Klangatmosphäre verspricht. Normalerweise arbeitet das Qure-Poti in einem Bereich zwischen 2 kHz und 6 kHz. Durch einen Druck auf "Shift-Qure" wird der Arbeitsbereich in die Region zwischen 400 Hz und 2 kHz verlagert.
Die Verbindung des Qure mit dem restlichen Studioequipment kann via XLR oder Stereoklinke erfolgen, wobei auch eine unsymmetrische Verkabelung möglich ist. Als Option wird von SPL eine Aufrüstung der Ein- und Ausgänge mit Übertragern von Lundahl angeboten.
Die Stromversorgung erfolgt über die übliche Kaltgerätenetzbuchse, der ein frontseitiger Netzschalter zugeordnet ist. Während der Aufwärmphase der Röhren signalisiert eine LED, dass das Gerät noch nicht betriebsbereit ist. Die Röhren selber arbeiten mit einer Betriebsspannung von 225 Volt, die stark geglättet und elektronisch reguliert wird. Bei 10 Hz sind die Röhren gleichstromentkoppelt. Sollte es zu einer plötzlichen Unterbrechung der Stromversorgung kommen, wird automatisch der Hard-Bypass des Gerätes aktiv. Interview mit Ronald Prent zum SPL-Qure
Im umfangreichen Peripherie-Park der Hilversumer Wisseloord-Studios ist seit kurzem auch ein Qure-Equalizer von SPL zu finden. Production Partner sprach mit dem leitenden Toningenieur Ronald Prent über seine bisherigen Erfahrungen mit dem neuen SPL-Gerät.
Production Partner: Seit wann und wofür setzt Du den Qure ein?
Ronald Prent: Ich benutze den Qure jetzt seit zwei Wochen und bin sehr begeistert davon, weil das Gerät äusserst musikalisch arbeitet. Im Vergleich zu anderen Equalizern ist der Bassbereich viel strammer, und zwar auch bei kräftigem EQ-Einsatz. Im Moment verwende ich den Qure hauptsächlich zur Bearbeitung von Gitarren, aber für Stimmen habe ich ihn auch schon eingesetzt.
PP: Kommt das Gerät auch in Eurer Mastering-Abteilung zum Einsatz?
R.P.: Ich habe das noch nicht ausprobiert, aber ich kann mir seinen Einsatz beim Mastering sehr gut vorstellen. Die Regelung ist dermassen feinfühlig, dass manchmal schon ein oder zwei dB ausreichen, um die gewünschte Änderung zu erzielen. Man kann aber auch ganz grobe Sachen damit machen ...
PP: Wie gefällt dir der "Qure"-Parameter?
R.P.: Sehr gut. Er gibt dem Klang eine gewisse Freiheit. Der Klang löst sich dadurch von den Lautsprechern und erhält eine eigene Dimension. Man braucht gar nicht soviel davon 'reinzudrehen. Anfangs dreht man daran und ist ganz begeistert, weil sehr viel passiert. Dann stellt man aber schnell fest, dass die Hälfte auch reichen würde.
PP: Die Güteregelung der einzelnen Filterbänder arbeitete im Gegensatz zu vielen anderen Geräten nicht nach dem Constant-Q-Prinzip.
R.P.: Ich finde die Proportional-Q-Regelung des Qure sehr angenehm und musikalisch. Zur Zeit mische ich gerade die neue Platte der Jule-Neigel-Band, und der Gitarrist (Andreas Schmid-Martelle) ist auch total von dem Gerät begeistert. Alle Leute, denen ich den Qure bisher vorgestellt habe, reagierten aufgrund der musikalischen Regelqualitäten sehr positiv darauf. Wenn man am Qure dreht, hat man nicht das Gefühl, man ändere zum Beispiel eine Gitarre so, dass sie dann plötzlich wie ein Synthesizer klingt. Wenn man will, kann man die positiven Aspekte eines Sounds hervorholen und ungewünschte Anteile vertuschen, ohne dass der Charakter des Instruments verschwindet. Man hat nach der Bearbeitung nicht das Gefühl, dass man etwas entzerrt hat, sondern dass man den im Sound enthaltenen vorteilhaften Eigenschaften zur vollen Geltung verholfen hat.
PP: Ronald, vielen Dank für das Statement.
Während der Testzeit wurde der SPL Qure unter anderem zur Nachbearbeitung von knapp 200 Megabyte "rohem" Sample-Material eingesetzt. Darunter befanden sich neben diversen E-Bässen auch akustische und elektrische Gitarrensounds sowie einige Percussion-Grooves. Das Ausgangsmaterial war durch die Bank weg gut aufgenommen, so dass es bei der Bearbeitung weniger um grobe Korrekturen, als vielmehr um klangliches Fine-Tuning ging. Hierbei zeigte sich der Qure als sensibel reagierendes Werkzeug, das den Sounds in den geforderten Frequenzbereichen das erforderliche "Quentchen" mehr (oder weniger) mit auf den Weg geben konnte. Während der Arbeit fällt die separate Schaltbarkeit der einzelnen Filterbänder angenehm auf, die gerade bei geringen Anhebungen/Absenkungen in mehreren Bereichen einen Hörvergleich erleichtert.
Bei der Bearbeitung der E-Bässe gab es ob der gelungenen Aufnahme-Kombination aus studiertem Musiker, gut klingenden Instrumenten und hervorragender D.I.-Box wenig zu tun. Lediglich die "Untiefen" eines 6-Saiters mussten deutlich entschärft werden, da sie sich gegenüber den anderen Seiten zu sehr in den Vordergrund stellten. Durch die Kombination von Hochpassfilter und Bass-EQ des Qure konnte der Tiefenbereich entmulmt werden, ohne dass das dem Instrument eigene Fundament verloren gegangen wäre. Bei den Akustikgitarren kam das erste Mal die Qure-Regelung zum Einsatz. Die Gitarren waren in einem akustisch stark bedämpften Raum aufgenommen worden und liessen etwas an Brillanz vermissen. Mittels "Qure" und einer leichten Mittenbearbeitung liess sich das nötige Mass an Frische und Luftigkeit erzeugen. Die Auswirkung von "Qure" ist mit einer einfachen EQ-Anhebung nicht zu vergleichen, obwohl sich der Gesamtpegel nach dem Zuschalten leicht erhöht. Das Klangergebnis tendiert eher ein wenig in Richtung "Vitalizer" - allerdings wesentlich behutsamer und bei kräftigem Einsatz mit weniger Neigung zur Schärfe.
Vocals lassen sich übrigens mittels Qure-Schaltung sehr schön "nach vorne" bringen, was neben dem Einsatz im musikalischen Kontext auch für Sprachaufnahmen z.B. im Bereich Werbung interessant sein könnte.
Bei den E-Gitarren-Samples konnte über "Shift-Qure" der charakteristische Tief-Mittenbereich deutlicher herausgearbeitet werden. Der Stereo-Multitap-Chorus, mit dem einige Licks bereits aufnahmeseitig versehen waren, gewann an Tiefe und Plastizität. Zur Bearbeitung von Stereomaterial ist beim Qure doppelhändiges Agieren gefragt. Eine Verkopplung von linkem und rechtem Kanal bei Bedienung über nur eine Seite ist nicht möglich. Durch die Rasterung aller Potis sind identische Einstellungen beider Seiten jedoch relativ unproblematisch zu erzielen. Zum Thema Percussion-Bearbeitung gibt es nicht viel zu berichten, ausser dass die Filter auch bei heftigen impulsiven Signalen nicht aus dem Tritt kommen. Dröhnfrequenzen einzelner Trommeln liessen sich schnell einkreisen und mit hohem Q-Wert zielgenau absenken. Der Q-Regler arbeitet nicht nach dem Constant-Q-Prinzip, sondern ändert die Signalamplitude in Abhängigkeit von der Bandbreite. Schmale Einschnitte in das Audiomaterial führen zu einer höheren Filterglocke als gutmütig breitbandige Eingriffe - ohne Nachregelung über das Cut/Boost-Poti des betreffenden Filterbandes.
Mit dem Qure-Equalizer stellt SPL ein anspruchsvolles Werkzeug zur kreativen Klanggestaltung vor, das seinen Einsatz sowohl bei der Bearbeitung einzelner Instrumente als auch in der Stereosumme oder beim Mastering finden kann. Die Stärken des neuen Gerätes liegen weniger im technisch analytischen "Sezieren" des Audiomaterials, als vielmehr in seiner ansprechenden Aufbereitung in musikalischer Form.
Röhren, Spulen und Halbleiter verbinden sich im Qure zu einer gelungenen Synthese, mit der sich aussergewöhnlich gute Klangergebnisse erzielen lassen. Die unverbindliche Preisempfehlung in Höhe von ca. 3130,- DM ist der gebotenen Qualität mehr als angemessen. |
|
|||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
| ||||||||||||||