|
|
|||||||||||||
|
Qure Von aussen betrachtet | Arbeiten mit dem Qure | Sound | Fazit | Zweikanaliger Röhren- und Spulen-Equalizer SPL Qure
KEYS 12/98 Es mehren sich die Stimmen derjenigen, die gewisse technologisch bedingte Klangeigenschaften digitaler Systeme nicht besonders schätzen. Gerade im Mastering wird der subjektiv als kühl und klinisch empfundene Klangeindruck negativ bewertet. Daher bietet SPL mit dem analogen zweikanaligen parametrischen Dreiband-EQ namens Qure eine Edel-Lösung. Der Clou des Qure ist die einträchtige Kombination verschiedener Technologien zur Frequenzbearbeitung. Röhren-, Spulen- und Transistortechnik vereinen sich mit moderner Halbleitertechnologie nach dem Motto: Jeder macht das, was er am besten kann. Je nach Frequenzbereich kommen dadurch unterschiedliche Schaltungskonzepte zum Einsatz. Auf übersichtlichen zwei Höheneinheiten finden sich ausnahmslos gerasterte Potentiometer und beleuchtete Schalter für die Bedienung der beiden Kanäle. Die rückseitigen Anschlüsse sind symmetrisch und unsymmetrisch mit XLR- und Klinkenbuchsen ausgeführt. Ein Ground-Lift-Schalter ist vorhanden, um Brummschleifen in den Griff zu bekommen. Das Gehäuse macht einen äusserst vertrauensvollen Eindruck und beherbergt neben den Innereien aus den letzten vier Technologie-Jahrzehnten auch ein gut dimensioniertes Netzteil. Zur Abfuhr der im Inneren entstehenden Wärme sind seitlich und oben Lüftungsschlitze eingelassen. Die durch Schutzgitter abgedeckten Öffnungen auf der Vorderseite geben den Blick auf zwei Röhren des Typs Sovtek 12 AX 7 frei. Der Eingangspegel kann im Bereich von -12 bis +18 dB geregelt werden und stellt somit sicher, dass die drei Frequenzbänder des Qure mit ihrem optimalen Pegelbereich versorgt werden können. Eine Pegelanzeige gibt es nicht, weshalb für einen Abgleich mit angeschlossenen Komponenten sämtliche Pegel extern überprüft werden müssen. Hinter die Eingangsstufe sind je ein Hoch- und Tiefpass-Sperrfilter geschaltet, die mit einer Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave hohe und tiefe Frequenzen ausblenden. Ihr Einsatzpunkt ist von 2,5 bis 20 kHz beziehungsweise 40 Hz bis 200 Hz einstellbar. Die Sperrfilter und die folgenden drei Frequenzbänder besitzen allesamt ihren eigenen Hardwire-Bypass-Schalter zur direkten Umgehung der einzelnen Stufen. Ein Gesamt-Bypass, der alle Filter und EQs aus dem Signalweg schaltet, fehlt natürlich auch nicht. Auch dieser Master-Bypass wird über ein Relais geschaltet, so dass bei Ausfall der eigenen Gerätesicherung oder schnödem Stromausfall das Eingangssignal direkt auf die Ausgänge geleitet wird. Dieses Verfahren entspricht dem professionellen Konzept des Qure. Es folgt die Hauptfunktion des Qure: der dreifach vollparametrische Equalizer. Das unterste Frequenzband ist in der Center-Frequenz von 15 Hz bis 365 Hz regelbar, es geht also enorm tief herunter. Das mittlere Band überstreicht den Bereich von 200 Hz bis 5 kHz und die Centerfrequenz der Höhen kann von 1 kHz bis 21 kHz gewählt werden. Auch hier sieht man den extrem weiten Bereich des Qure, denn 21 kHz als Centerfrequenz für die Glocke sind schon aussergewöhnlich hoch. Die maximale Anhebung und Absenkung beträgt jeweils 15 dB; eine Ausnahme bildet das Mittenband mit einer maximalen Absenkung von 36 dB. Der eingestellte Pegelhub aller drei Frequenzbänder ist ausserdem von der eingestellten Bandbreite des jeweiligen Filters abhängig (Proportional-Q). SPL bescheinigt ihrem Gerät dadurch eine gehörrichtige Anpassung der Entzerrung bei verschiedenen Bandbreiten. Die schmalste einstellbare Bandbreite hat einen Wert von Q = 5 und entspricht dann ungefähr einer Fünftel-Oktave; eine zweieinhalb Oktaven breite Glocke entspricht einem Q-Wert von 0,5. Mit dem Schalter Qure On wird die spezielle Röhren- und Spulenschaltung aktiviert. In Abhängigkeit von der Dynamik des Eingangssignals arbeitet diese Schaltung wie ein Bandpass, der durch gezielte Phasenverschiebungen und hohe Ansteuerung der Röhre die höheren Harmonischen im Mittenbereich hervortreten lässt. Dieses so angeregte Frequenzspektrum lässt sich mit dem Qure-Regler und dem Shift-Qure-Schalter noch variieren. Die Betonung der Harmonischen kann somit von 400 Hz bis 2 kHz beziehungsweise von 2 kHz bis 6 kHz eingestellt werden. Der abschliessende Ausgangspegelregler bietet Abschwächung bis 7 dB und Verstärkung bis 4 dB und dient zur Pegelkompensierung und -anpassung. Alle drei Frequenzbänder arbeiten sehr effektiv und präzise. Von einer breitbandigen Bearbeitung grosser Frequenzbereiche bis zur schmalbandigen Filterung spezieller Frequenzen wird alles souverän gemeistert. Mit den Sperrfiltern können Signale auf einfache und wirksame Weise von überflüssigen Höhen und rumpelnden Tiefen befreit werden. Besonders interessant scheint die Kombination aus Mittenband und Röhrenstufe. Wenn man aufdringliche Frequenzen im Mittenbereich etwas herausnimmt und dadurch ein Frequenzloch im Mittenbereich entsteht, kann man es durch die hörbar angenehmeren Harmonischen der Qure-Schaltung wieder auffüllen. Das Gesamtsignal profitiert von dieser Heilung und ist danach weniger scharf. Dies funktioniert gleichermassen bei einzelnen Instrumenten, Gesangsstimmen oder einem kompletten Mix. Die Kombination von Audioschaltungen mit unterschiedlichen Technologien ist stimmig und die Qualität der verwendeten Komponenten macht sich gehörmässig sehr schön bemerkbar. Kurz: Spitzen-Sound! Noch besser dürfte die nicht zum Test erschienene Premium-Version des Qure klingen, die mit trafosymmetrierten Ein- und Ausgangsverstärkern und Lundal-Übertragern ausgestattet ist, aber auch deutlich mehr kostet. Die Bedienung ist aufgrund des grossen Platzangebots auf zwei Höheneinheiten sehr angenehm. Nicht jeder wird den Qure brauchen, dafür ist er für das Homerecordingstudio auch zu teuer. Aber das Konzept stimmt und der Sound ist das Geld auf jeden Fall wert. Wer sich für einen hochwertigen externen EQ interessiert, kann nun mit der Suche aufhören. |
|
|||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
| ||||||||||||||