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Atmos 5.1 RECORDING UND ABMISCHUNG | Atmos 5.1 1 ASM 5 | SURROUND-RECORDING DER LIVE-ATMOSPHÄRE | Autor: Paul Schleip Abschieds-Tournee Marius Müller-Westernhagen Für einen Konzertfilm, den die DoRo Film- und Fernsehgesellschaft für den TV-Sender SAT 1 produziert, wurden als Aufnahmetermine die beiden aufeinanderfolgenden Konzerte im Düsseldorfer Rheinstadion ausgewählt. Schon weit im Vorfeld wurde zwischen Beschallung-, Monitor- und Recording-Team eine Kooperation vereinbart. Dies war umsomehr möglich, als schon vor Beginn der Tournee im Proberaum Mitschnitte gemacht wurden, wodurch ein Dialog zwischen Wolfgang Hofer und H.W. Janssen (Monitor), Lothar Strunk (FOH) und Dieter Krauthausen (Westemhagens Recording- und Mixingengineer) erleichtert wurde. Insbesondere konnten hier Fragen der Mikrofonierung diskutiert und auch in Ruhe ausprobiert werden. Ausser klanglichen Gesichtspunkten musste dabei auch der "GAU" einbezogen werden: und zwar in Form von Regenfällen, denn die "Radio Maria"-Bühne war mangels Dach auf gnädige Unterstützung von oben angewiesen. Die Aufnahmen aus dem Proberaum wurden mit dem mobilen und leicht zu installierenden Airpack-System der Firma Eurosound erstellt: drei kaskadierte Yamaha O2R beschickten drei Tascam-Digitalrecorder DA 88. Die insgesamt 40 lnputs plus vier Ambience-Mikros mussten also bereits aufnahmeseitig zusammengemischt werden. Dies geschah in erster Linie bei den Drums (vier Spuren) und bei den Keyboards. Komfortabler ging es dann bei den Stadionmitschnitten zu: Das Mobile 4 der Firma Eurosound war mit zwei Dititalmaschinen Sony 3348 zur überlappenden Aufnahme bestückt. Dadurch war es möglich, alle an der Raindirk-Konsole anliegenden Signale ohne Downmix direkt auf die Spuren zu routen. Zusätzlich zu den 40 an aktiven Splittern anliegenden Bandsignalen wurde ein zusätzliches Mikro am Leslie Bottom und ein Stereoweg für einige von der Front kommende Einspielungen (Konzertintro, Songintro "Jesus" und "Wo ist Behle?") installiert. Da der enge Zeitplan keinen Soundcheck mit der Band ermöglichte, wurden die Pegel während des mit der Monitor- und FOH-Fraktion durchgeführten Line Checks justiert. Entzerrt wurde mit Hilfe von Erfahrungswerten nur spärlich: Stimmen, Bass und Bläser wurden leicht komprimiert (Urei, Summit Audio); Gates blieben ausgeschaltet, da durch das 1:1-Routing alle Möglichkeiten beim späteren Mix offenbleiben konnten. Grosse Bedeutung wurde der Aufzeichnung der Publikumsreaktionen gewidmet. Es sollte gewährleistet sein, dass auch auf dem stark "verkleinernden" Zielmedium TV-Film die Stadion-Atmosphäre soweit wie möglich spürbar bzw. hörbar sein würde. Neben dem auf einer separaten, timecodeverkoppelten DA 88 aufzeichnenden SPL-Atmos-System (s. Abschnitt 5.1), mit dem ja bislang keinerlei Erfahrungen mit dem Einsatz in Fussballstadien vorlagen, wurde deshalb zusätzlich eine umfangreiche Audience-Mikrofonierung installiert. Abgesehen von dem Bühnenrand, an welchem in das Publikum gerichtete Shotguns aufgebaut wurden, boten sich hierzu drei abgezäunte Bereiche innerhalb des Stadionrunds an: der FOH-Platz sowie zwei vor den seitlichen Rängen stehende Delaytower der Beschallungsanlage. Im Düsseldorfer Rheinstadion bestand zusätzlich die Möglichkeit, von dem über den Tribünen entlanglaufenden Catwalk Mikrofone zu hängen, was sich - wie die Endmischung später zeigen sollte - neben dem in der räumlichen Tiefe unübertroffenen Atmos-System als grosses Plus erwies. Für die Mikrofonierung innerhalb des Stadions wurden in erster Linie omnidirektionale Typen von B&K, Neumann und Schoeps verwendet. Diese wurden auf einem separaten Yamaha 02R auf die acht Spuren eines zweiten Tascam DA 88 verteilt, wobei selbstverständlich nur laufzeitgleich positionierte Mikrofone zusammengemischt werden konnten. Sämtliche Audience-Spuren (acht plus fünf Atmos) wurden am Raindirk abhörseitig in einer zweiten Stereosumme zusammengefasst, welche der Stereosumme 1 mit einem Fader zugemischt werden konnte. Der während des Konzerts erstellte Roughmix würde nämlich den Bildeditoren als Soundtrack dienen und sollte deshalb zwar einerseits möglichst analytisch sein, damit die Cutter wirklich jedes Instrument, das sie unter Umständen in Grossaufnahme sahen, auch hören konnten; zum anderen sollte jedoch auch die Publikumsatmosphäre schon ähnlich deutlich wie für den Endmix angestrebt übertragen werden, um inspirierend für die Bildgestaltung zu wirken. Ähnliche Inspiration sollte umgekehrt von dem Live-Bildschnitt für die Audiomischung ausgehen, welche nach Abschluss der Tour in den Londoner Olympic-Studios stattfand. Hierbei erwies sich als hilfreich, das Video von Zeit zu Zeit - jedoch nicht ständig - mitlaufen zu lassen: Das Videobild warnt einerseits vor einer zu polierten, glatten Mischung und ermuntert, den vom Künstler gewünschten rauhen Live-Charakter mit hohem Audience-Anteil zuzulassen. Andererseits lenken Bilder wiederum ab und täuschen über Mängel im Mix hinweg. Die für den TV-Film verwendeten Songs - wegen der ca. dreistündigen Dauer wird nicht das komplette Konzert im Film gezeigt - wurden auf Timecoded-DAT mit genügend Pre- und Postroll an die DoRo Film- und Fernsehgesellschaft übergeben, wo die Übergänge bzw. Schnitte zwischen den Songs bildentsprechend angelegt wurden. Schon seit Ende der 70er Jahre besch"ftigt sich Wolfgang Neumann, Gründer und Entwickler der Firma SPL, mit den faszinierenden Möglichkeiten, das räumliche Klangbild mit mehr als zwei Kanälen besser reproduzieren zu können. Er ging dabei schon früh davon aus, dass der Weg zum akustischen Fingerabdruck des Raums über möglichst wenige Mikrofone führte. Multi-Array-Mikrofonsysteme konnten bei den damit verbundenen Problemen, insbesondere mit den Phasenlaufzeitunterschieden, nicht des Rätsels Lösung sein. Die über den Zeitraum bis etwa Mitte der 90er empirisch ermittelten Anordnungen führten zu dem Konzept, ein einziges Stativ zu erstellen, das fünf Mikrofone aufnimmt. Etwa zur gleichen Zeit erschienen wissenschaftliche Arbeiten, die in Probandentests zu einer ähnlichen Mikrofonanordnung kamen wie Wolfgang Neumann nach seinen langjährigen Experimenten. Vor allem in den dort breit angelegten Hörversuchen sah Wolfgang Neumann eine Bestätigung seiner Arbeit. Darüber hinaus schien sich die 5.1-Technik als Standard zu etablieren - die Ähnlichkeit der 5.1-Lautsprecheranordnung mit der Mikrofonanordnung des ASM 5 und die Möglichkeit der diskreten fünfkanaligen Aufnahme sprachen um so mehr für die bisher gefundene Konzeption. Während mit der Dirk Brauner Röhrengerätemanufaktur eine Kooperation zum Bau eines solchen Mikrofonsystems beschlossen wurde, standen auch die Arbeiten an der notwendigen Vorverstärker/Controller-Einheit kurz vor dem Abschluss, die sich in allen Belangen (LCR-Panning, Divergenz, Front/Surround-Panning, Sub-Auskopplung etc.) von der bekannten Stereo-Technik unterscheidet. Variabilität und Flexibilität hinsichtlich der Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten hatten seit der ersten Konzeption oberste Priorität: schwenkbare Mikrofonaufhängungen, kompakte Abmessungen, der Anschluss zusätzlicher Raummikrofone oder externer Effektgeräte, Steuerung der ASM-5-Richtcharakteristiken vom Atmos 5.1 aus. Nachdem im Frühjahr 1999 mit Prototypen die ersten Aufnahmen gemacht werden konnten, wurden die Ausgangsüberlegungen bestätigt: Das erste diskret aufgebaute, balancierte 5-Kanal-Aufnahmesystem mit ausgemessener Mikrofonanordnung und multifunktionalem Controlling gewährleistet naturgetreue dreidimensionale Aufnahmen räumlicher Akustik. SURROUND-RECORDING DER LIVE-ATMOSPHÄRE Seit der ersten Vorstellung des Systems auf der Tonmeistertagung 1998 in Karlsruhe stand Peter Brandt von Eurosound mit Wolfgang Neumann in Verbindung. Peter Brandt sah die Möglichkeit, mit dem Atmos-System das Problem einer Surround-Aufnahme bei Live-Konzerten mit vergleichsweise geringem Aufwand zu bewältigen. Von Beginn an stand fest, dass die Aufnahme der Live-Atmosphäre im Vordergrund steht. Bei der folgenden 5.1-Surround-Mischung werden die Laufzeiten der Multitrack-Signale der Laufzeit des ASM 5 angepasst. Das Brauner ASM 5-Surroundmikrofon wurde in einer Distanz von ca. 50 Metern von der Bühne in einem Turm auf einer Höhe von ca. sechs Metern installiert, das spezielle Atmos-5.1-Pult stand darunter in Bodennähe. Von dort aus wurden die Line-Ausgänge zum ca. 200 Meter entfernten Eurosound-Mobil gelegt und dort aufgezeichnet. Zur Freude aller Beteiligten entstanden weder bei der Installation noch beim Betrieb des Atmos-Systems Probleme. was angesichts der enormen Komplexität der gesamten Anlage sicher als Erfolg zu werten ist. Das erste Abhören der Surround-Aufnahmen machte sofort deutlich, dass die Stadionatmosphäre sehr natürlich eingefangen wurde. Insbesondere die Reaktionen des Publikums, die sich von der Bühne bis zum Stadionende um bis zu eine Sekunde verzögerten, vermittelten einen äusserst realistischen Eindruck des akustischen Erlebnisses während des Konzerts. |
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